Stillvorbereitung

Gut informiert – Bereits während Deiner Schwangerschaft

Wenn Du schwanger bist, wird das Thema Stillen über kurz oder lang wichtig – und vielleicht fragst Du Dich jetzt schon: Soll ich stillen oder nicht? Möchte ich es? Und wenn ja, wie lange? Wir beantworten Deine Fragen und auch Deine Frauenärztin oder Dein Frauenarzt bzw. Deine Hebamme unterstützen Dich gerne bei diesem Thema schon während der Schwangerschaft.

Ist Stillen was für mich?

Aktuell empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation das ausschließliche Stillen von Säuglingen für sechs Monate. Dafür gibt es gute Gründe, denn die Versorgung durch Muttermilch bringt viele Vorteile für Mutter und Kind. Wenn das Stillen gut klappt, ist es praktisch, nahrhaft und kann Allergien vorbeugen. Außerdem empfinden viele Frauen es als eine besonders innige Erfahrung mit ihrem Kind.

  • Superkräfte für Dein Baby
    Bereits während Deiner Schwangerschaft bereitet sich Dein Körper auf das Stillen vor. Schon ab der 16. SSW bildet Deine Brust eine ganz besondere Milch, das gelblich dickflüssige Kolostrum. Damit kannst Du nach der Geburt das Abwehrsystem Deines Babys stärken. Es hat die optimale Zusammensetzung und enthält besonders viele Abwehrstoffe, die Dein Baby vor Krankheiten schützen.
  • Lass Dich von Profis beraten
    Deine Schwangerschaft ist ein guter Zeitpunkt, um bereits über das Stillen nachzudenken. Vielleicht kann Dir eine stillende Freundin Tipps geben? Sprich am besten auch bei Deinem nächsten Vorsorgetermin mit Deiner Frauenärztin oder Deinem Frauenarzt. Sie oder er kann Dir eine Stillberaterin empfehlen, z.B. eine Hebamme. Die sind richtige Stillprofis, können alle Deine Fragen beantworten und Dich nach der Geburt beim Stillen betreuen. Wenn möglich, wähle ein Krankenhaus, das Dich beim Stillstart besonders begleitet. Weitere Informationen gibt es auch beim Netzwerk Gesund ins Leben.
  • Mit Unterstützung klappt es besser!
    Du kannst schon während der Schwangerschaft Vorbereitungen für das Wochenbett treffen. Du solltest es ruhig angehen lassen. Nutze diese Zeit, um Dich zu erholen und Dich an die neue Zeit mit Deinem Baby zu gewöhnen. Das Stillen kann sich dann auch entspannter einpendeln.
    Nimm Hilfe an, wenn Du sie brauchst. Einkaufen, putzen, Wäsche waschen, Essen vorkochen und einfrieren: Das können andere übernehmen, auch schon während Deiner Schwangerschaft. Neben Deinem Partner oder Deiner Partnerin unterstützen Dich sicher gerne auch Familiemitglieder oder Euer Freundeskreis.
  • Stillen und Arbeiten – auch das geht!
    Wenn Du nach der Geburt schnell wieder arbeiten möchtest, dann musst Du nicht mit dem Stillen aufhören. Das Mutterschutzgesetz gibt Dir als Stillende das Recht, Dein Baby während der Arbeitszeit zu stillen oder Muttermilch abzupumpen. Für diese Zeit wirst Du bezahlt, Du musst sie nicht nacharbeiten.
  • Unsicher, ob du stillen willst?
    Eigentlich hast Du gar nicht vor zu stillen, bist aber ein wenig neugierig geworden? Du kannst es ja einfach mal versuchen oder Milch abpumpen. Wenn das Stillen aber einfach nicht gut klappt, obwohl Du es gern möchtest, dann gib nicht vorschnell auf. Das ist gerade beim ersten Kind nicht ungewöhnlich, heißt aber nicht, dass es nach ein paar Tagen oder Wochen nicht doch wunderbar klappt. Such Dir Unterstützung und Hilfe, Du bist nicht alleine!

Deine Entscheidung!

Niemand kann Dir vorschreiben, zu stillen. Die Entscheidung dafür oder auch dagegen liegt alleine bei Dir. Du musst Dich dafür weder rechtfertigen noch bewerten lassen. Denn: Es gibt nicht nur den einen Weg, Dein Kind gesund und liebevoll zu versorgen. Das Wichtigste ist, die Bedürfnisse Deines Babys nach Nähe und Nahrung zu erfüllen.

Deine Fragen

Oftmals ist eine Schwellung der Brustdrüse die Ursache für Schmerzen. In den ersten Tagen ist das aufgrund des Milcheinschusses nicht ungewöhnlich, insbesondere wenn Dein Baby weniger Milch trinken kann als erzeugt wird. Grundsätzlich kann eine schmerzhafte Brustdrüsenschwellung jederzeit während der Stillzeit auftreten, etwa auch durch einen zu eng sitzenden BH oder ein schlechtsitzendes Tragetuch, die Druck auf die Milchkanäle ausüben. Eine Brustdrüsenschwellung kann zudem das Anlegen Deines Kindes erschweren. Für Dich ist es dann wichtig, ganz oft zu stillen, damit Deine Brust wieder weicher wird, sich Deine Milchproduktion optimal aufbauen kann und Dein Kleines das Saugen richtig lernen kann.

Wenn Deine Brustwarze aufgrund einer gespannten Brust für Dein Kind schlecht zu fassen ist, kannst Du zunächst etwas Milch ausmassieren. Bei bestehenden Problemen können unter medizinischer Betreuung verschiedene Strategien helfen, die Brust besser zu entleeren – diese sollten zusammen mit einer Fachperson besprochen werden.

Kolostrum ist die allererste Milch, die Deine Brust Deinem Baby zur Verfügung stellt. Dieses „Superfood“ ist besonders wertvoll, nahrhaft und unterstützt Verdauungs- und Immunsystemprozesse bei Deinem Kleinen. Alle Säuglinge können das Kolostrum erhalten – also unabhängig davon, ob Du stillen möchtest oder nicht bzw. ob Dein Kind natürlich oder via Kaiserschnittgeburt auf die Welt gekommen ist. Auch wenn Dein Baby in den ersten Tagen nur winzige Mengen dieser „Vormilch“ aufnehmen kann, ist das wertvoll für die Gesundheit.

Eine vorsorgliche Kolostrumgewinnung kann in manchen Fällen sinnvoll sein, um Kleinstmengen dieser speziellen Substanz aufzubewahren bzw. einzufrieren. Zum Beispiel bei Neugeborenen von Müttern mit Diabetes kann Kolostrum eine stabilisierenden Wirkung auf den Blutzuckerspiegel des Kindes haben. Besprich mit Deiner Ärztin, Deinem Arzt, Deiner Hebamme oder Stillberaterin Deinen Wunsch, Kolostrum zu gewinnen und lass Dir die Technik zeigen. Mit ein wenig Unterstützung gelingt das in der Regel gut. Mehr Infos zum Thema Kolostrum findest Du beim Netzwerk Gesund ins Leben.

Weniger ist mehr: Deine Brust ist schon perfekt auf den Prozess der Milchbildung und -abgabe vorbereitet, um Dein Baby zu ernähren. Die Schwangerschaftshormone sorgen für die notwendigen Veränderungen der Milchdrüsen, damit alles seinen guten Gang geht.

Deine Haut mit ihrer natürlichen Schutzschicht kannst Du am besten unterstützen, indem Du sanft zu ihr bist und übertriebene Reinigungsmethoden unterlässt. Grobes Abreiben oder Bürstenmassagen können die Brustwarzen und ihren Vorhof empfindlicher machen. Im schlimmsten Fall wird die Haut rissig, was eine Brustentzündung begünstigen kann.

Um nur ein paar zu nennen: Stillen ist kostenlos und fast zu jeder Zeit verfügbar. Durch Hormone und das Saugen Deines Babys wirst Du gelassener, auch bei Deinem Kind verringert sich das Stressempfinden und Eure spezielle Bindung wird gestärkt. Stillen verbraucht Energie, sodass Du Dich bei der Gewichtsabnahme leichter tust.

Stillen senkt auch das Risiko, bestimmte Erkrankungen zu bekommen, die mit den weiblichen Hormonen in Verbindung stehen, darunter bestimmte Krebserkrankungen, Herz-Kreislauferkrankungen oder Endometriose.

Startvorteile von gestillten Kindern

  • Geringeres Risiko für die Entstehung von akuten und chronischen Krankheiten z.B. ein verringertes Risiko für Durchfall, für Mittelohrentzündung und späteres Übergewicht.
  • Kinder, die gestillt werden, können Antikörper gegen bestimmte Infektionskrankheiten aus der Muttermilch aufnehmen z.B. gegen Keuchhusten.
  • Stillen steht im Zusammenhang mit einer besseren kognitiven Entwicklung des Kindes, also mit einem besseren Wissensstand – auch beim Erkennen von Zusammenhängen.
  • Wenn mindestens vier Monate ausschließlich gestillt wurde, haben diese Kinder ein geringeres Risiko für Allergien.
  • Gestillten Kindern wird die emotionale Bindung zur Mutter erleichtert.
  • Bei gestillten Kindern wird die Gaumen- und Kieferentwicklung wird positiv beeinflusst.

Auch teilgestillte Kinder profitieren von den Vorteilen der Muttermilch, ebenso wie Frühgeborene, selbst wenn sie abgepumpte Muttermilch erhalten.

Stillen ist nach einem Kaiserschnitt sehr gut möglich. Wurde bei Dir lediglich ein Kaiserschnitt in Epidural-Anästhesie durchgeführt, kannst Du Dein Kind sogleich anlegen bzw. Dir dabei helfen lassen, damit es seinen Weg zur Brust selbst findet. Hast Du während der Geburt starke Medikamente oder eine PDA erhalten, dauert es möglicherweise etwas länger, bis das Kind andockt und selbstständig saugt. In vielen Fällen kann auch schon kurz nach einem Kaiserschnitt in Vollnarkose das Baby angelegt werden.

Grundsätzlich sollte Hautkontakt zwischen Dir und Deinem Kind möglichst bald nach der Geburt (auch nach einem Kaiserschnitt) bestehen, denn das wirkt sich positiv auf den Stillbeginn und eine positive Stillbeziehung zwischen euch aus

Für das Stillen nach einer Kaiserschnittgeburt gibt es bestimmte Haltungen, mit denen das Kind angelegt werden kann, bei denen der empfindliche Bauch weitgehend geschont werden kann. Hierzu kann Dich Deine Hebamme oder Stillberaterin beraten.